Einmal Los Unterriedos und zurück

Vom 18. bis zum 21. Juli 2018 fand am Gymnasium Unterrieden das Projekt „Schule als Staat“ statt. In dieser Zeit verwandelte sich unsere Schule in den Staat Los Unterriedos mit allem, was dazu gehört. In der eineinhalbjährigen Vorbereitungszeit wurde eine Verfassung ausgearbeitet, ein Parlament und ein Präsident gewählt, Minister bestimmt, eine eigene Währung (Gusi) geschaffen, eine Staatsflagge gestaltet und auch eine eigene Hymne („Grenzenlos“) komponiert. Es war das wohl größte und großartigste Projekt dieser Art am Gymnasium Unterrieden. Zahlreiche Prominente aus der Politik besuchten unseren Staat und waren begeistert von unserem Mikrostaat.

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Hinter dieser Grenze lag Los Unterriedos. Besucher konnten ein Visum erwerben

Der Startschuss war am Mittwoch, den 18. Juli 2018, als Schulleiterin Martina Fuchs die Schulschlüssel in einer feierlichen Zeremonie an den demokratisch gewählten Präsidenten David Frohnmayer übergab. In seiner Antrittsrede sagte er: „Ich fordere euch auf, die kommenden Tage mit Fleiß, Tatendrang, Mut, Fairness, Respekt zu füllen und Spaß zu haben.“

Bild 3 erste Ansprache des Prsidenten CustomBild 3 erste Ansprache des Prsidenten Custom

Seine Worte wurden erhört, denn gleich im Anschluss nahmen 105 Betriebe ihre Arbeit auf und versuchten sich im wirtschaftlichen Wettbewerb von Los Unterriedos zu behaupten. Es gab viele Lebensmittelbetriebe, von Burritos über Crêpes, bis hin zu Smoothies, Pommes und Waffeln war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Desweiteren sorgten zahlreiche Kunst- und Kulturbetriebe wie Kinos, ein Fotostudio, der Kleiderkreisel oder auch ein Theater für Unterhaltung und Abwechslung im Staatsalltag. Für einen möglichst reibungslosen Ablauf sorgten die 18 staatlichen Behörden und Betriebe.

Bild 4 Kleiderkreisel Custom Kleiderkreisel Mitarbeiter und Models des Kleiderkreisels
Bild 5 Modenschau Los Unterriedos CustomModenschau des Kleiderkreisels

Jeder Tag wurde mit einem Staatsakt begonnen. Der Präsident hielt eine Ansprache und ehrte anschließend die umsatzstärksten Betriebe sowie die fleißigsten Mitarbeiter der staatlichen Betriebe. Daraufhin wurde stets die Hymne gesungen und der Staatsalltag nahm seinen Lauf.

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Die Staatsflagge von Los Unterriedos wurde täglich gehisst und begrüßte die Gäste

So mancher Betrieb hatte schon bald mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, musste Mitarbeiter entlassen um den verbleibenden Angestellten den Mindestlohn (8 Gusi) zahlen zu können. Andere Betriebe mussten ganz schließen, da sie sich im Wettbewerb mit den Konkurrenten nicht behaupten konnten oder wenig benötigte Güter oder Dienstleistungen verkauften. Am besten liefen die Lebensmittelbetriebe, etwas größere Schwierigkeiten hatte manche Dienstleister oder Kunst- und Kulturbetriebe. Dank der vom Parlament beschlossenen Rundfunkgebühr in Höhe von 1 Gusi konnte GUS FM (Radio) und VALU (Fernsehen) den Betrieb aufrechterhalten. Das Vintage Studio, in dem man vielerlei Kunstgegenstände erwerben konnte, zählte anfangs nicht zu den umsatzstärksten Betrieben, erlebte aber am letzten Tag einen starken Zulauf, da nun am Ende des Projekts viele Staatsbürger noch Geld für Kunstwerke ausgeben konnten. In kürzester Zeit konnten die Schüler somit wirtschaftliche Abläufe am eigenen Leibe erleben.

Bild 7 Wahrsagerin Esmeralda Custom Wahrsagerin Esmeralda enthüllte die Zukunft – ein Geschäftskonzept das aufging!
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Auch ein Standesamt darf in einem echten Staat nicht fehlen

Zur Zerstreuung der Staatsbewohner gab es am Mittwoch ein Tischtennisturnier, am Donnerstag ein Basketballmatch zwischen Schülern und Lehrern, und am Freitag und Samstag das Theaterstück „Alles Banane“ zu sehen.

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Großer Bahnhof am Freitag, den 29. Juli 2018: hoher Staatsbesuch stand ins Haus. Die Außenministerin von Los Unterriedos, Lisa Renz, durfte Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, die Landtagsabgeordnete Thekla Walker (Bündnis90/die Grünen), den Bundestagsabgeordneten Florian Toncar (FDP) und nicht zuletzt die baden-württembergische Ministerin für Jugend, Kultus und Sport, Dr. Susanne Eisenmann empfangen und durch Los Unterriedos führen. In der abschließenden Pressekonferenz zeigten sich die Staatsgäste sehr beeindruckt. Bernd Vöhringer freute sich über „die guten Steuereinnahmen“, die Los Unterriedos mit Sindelfingen gemein hätte. Florian Toncar meinte gar, dass die Bunderepublik Deutschland aufpassen müsse, dass die „Bürgerinnen und Bürger nicht neidisch werden, wenn sie sehen, wie es hier [in Los Unterriedos] läuft: Es gibt hier viele Dinge, die die Leute in Deutschland gerne alle hätten: Ein Schulsystem, das motiviert, weil die Schülerinnen und Schüler es selbst gestalten können, ein Steuersystem, bei dem man die Steuererklärung noch auf eine DIN A4-Seite bekommt und [..] ein Justizsystem, in dem die Verfahrensdauer gerade einmal 30 Minuten beträgt.“ Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann zeigte sich ebenfalls beeindruckt von dem Großprojekt und „der unglaublichen Perfektion bei Formularen, Quittungen und Abrechnungen“. Sie ergänzte: „Wenn ich an andere Schulen komme, erzählte ich davon, was ihr hier auf die Beine gestellt habt und würde mir wünschen, dass es noch viele andere auch machen.“ (Alle Statements hier zum nachhören: https://www.youtube.com/channel/UCXicN900SrN2TGW8ntZoj1A)

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Hoher Staatsbesuch in Los Unterriedos: (v. li. n. re.) Außenministerin Lisa Renz, Schulleiterin Martina Fuchs, Florian Toncar (MdB), Thekla Walker (MdL), Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, Präsident David Frohnmayer

Am Samstag, dem letzten Tag von Los Unterriedos, wurden unsere zukünftigen Fünftklässler im Schulhof begrüßt und durch die Schule, bzw. den lebendigen Staat geführt.

Bild 12 CustomBegrüßung der neuen Fünftklässler bei nicht ganz optimalem Wetter

Um 14 Uhr schloss unser kleiner, viertägiger Staat dann endgültig seine Pforten. Was bleibt sind unzählige Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler während der Staatstage sammeln konnten und das Bedauern darüber, dass es schon wieder vorbei ist. Imke Venus, die zusammen mit Hannes Meier das Organisationsteam geleitet hatte, resümiert: „Schule als Staat ist ein Großprojekt, das viel (wo)manpower benötigt. Vor 1,5 Jahren haben sich knapp 30 Schüler und 10 Lehrer schriftlich verpflichtet am Ball zu bleiben - es beeindruckt mich sehr, dass (fast) alle die unterzeichnet haben, tatsächlich durchgehalten haben. Das Organisationsteam hat unglaublich gut harmoniert und jede Gruppe (Leitung, Kultur, Wirtschaft, Betriebe, Politik und PR) hat seinen Beitrag geleistet, dass Los Unterriedos zu einem solchen Erfolg werden konnte."

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Präsident David Frohnmayer gibt die Schulschlüssel wieder zurück an Schulleiterin Frau Fuchs

Imke Venus weiter: "Die Staatstage selber waren ein unglaubliches Erlebnis und die zufällig aufgeschnappte Bemerkung einer 6-Klässlerin ‚Schule als Staat ist super‘ kurz nach Öffnung des Staates am Mittwoch, war eine Bestätigung, dass sich dieser Aufwand lohnt. Eine so fröhliche und harmonische Stimmung zu Schuljahresende kann man sich nur wünschen. ‚Machen wir das nun jedes Jahr?‘ wurde ich von Eltern gefragt - ein paar Jahre werden vergehen und der Wunsch muss aus der Schülerschaft kommen, denn es ist ein Projekt von Schülern für Schüler. Das nächste Mal wünsche ich mir, dass es uns Lehrern früher gelingt, die Verantwortung in die Hände der Schüler zu legen. Wenn sie staatliche Probleme und Lösungen für diese selber sehen, dann verlassen sie die Schule in der Tat demokratisch gut gerüstet.“

Ein herzlicher Dank ergeht an alle Schüler und Lehrer, die sich mit unglaublichem Engagement in diesem Großprojekt eingebracht haben! Diese sind:
Schüler:

Lisa Schneider (8c), André Ngo (9b), Maria Walter (9c), Caroline Röder (9b), Beyza Gündogdu (9b), Nico Stanka (9c), Lena Liebermann (11a), Cara Hesse (11d), Emma Bako-Krutsch (11d), Julia Fraunhoffer (11d), Nick Jaschik (11b), Lisa Renz (11d), Julia Krawczyk (11b), Julia Machold (11d), Ina Steinmetz (11b), David Frohnmayer (11d), Katharina Bidian (11a), Anton Lipustin (11b), Marcel Kächele (11a), Phil Stahlhut (11a), Sebastian Proffen (11c), Hannes Meier (10c), Isabell Kraft (10b), Vanessa Kraft (10b), Tany Otto-Ericksen (10d), Marleen Güttinger (10d), Simon Wagner (10a), Anke Walter (10a),

Lehrer:

Organisationsleitung: Frau Ebert, Frau Venus
Parlament: Herr Lauber, Herr Christoffel
Betriebe: Frau Löbert, Frau Fock
Finanzen: Herr Hermann, Frau Marks
Kultur: Frau Joisten, Frau Schenk, Frau Jeschke
PR: Frau Richter, Herr Maier

Falls wir nicht alle Beteiligten aufgeführt haben sollten, möchten wir uns vielmals entschuldigen!
Auf jeden Fall ein großartiges Dankeschön an die gesamte Schulgemeinschaft, die dieses Projekt mitgetragen und mitgelebt hat!

Text: Christian Maier
Bilder: Lilly Brieden, Christian Maier

 

Was ist eigentlich Schule als Staat?

Während das Projekt „Schule als Staat“ (kurz: „SaS“) durchgeführt wird, verwandeln sich die Schulen für einen gewissen Zeitraum, in unserem Fall vier Tage, in einen Staat. Die Herrschaftsform war eine präsidiale Demokratie.
Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern Eigenverantwortung und Eigeninitiative näherzubringen und das spätere Leben spielerisch kennenzulernen. Auch der richtige Umgang mit Geld und Anpassung in eine Gesellschaft spielen hierbei eine große Rolle.
Dabei verfügt der Staat zudem über jegliches Emblem wie eine eigene Flagge und Wappen, sowie über eine eigene Währung, in unserem Fall „Gusi“ (1 Gusi  =50 Cent), als auch eine selbstkomponierte Nationalhymne. Auch an einem politischen System mit Legislative, Exekutive und Judikative mangelt es nicht. Sowohl der Präsident, als auch das Parlament, die Minister und die Beamten werden durch Wahlen gewählt. Wer möchte, kann eine Partei mit mindestens einem Vertreter aus vorschriftlich jeder Stufe (Unter-, Mittel- und Oberstufe) gründen. Durch vermehrte Absprachen und Sitzungen des Parlaments, entsteht dann eine Verfassung. Bankgeschäfte, Trennung des Mülls und vieles Mehr werden durch staatliche Einrichtungen geregelt.
Nicht nur diese sind wichtig für ein funktionierendes System, sondern auch jegliche anderen Betriebe bringen die Wirtschaft ins Rollen und sorgen für Verpflegung, Kultur und Freizeitaktivitäten innerhalb des Staates. Für weitere Unterhaltung werden zum Beispiel Turniere, Aufführungen und Ausstellungen organisiert. Das Durchschreiten der offiziellen Staatsgrenze bedeutet Gleichstellung von Lehrerinnen/Lehrern und Schülerinnen/Schülern. So kann es vorkommen, dass eine Lehrkraft einer/m Schüler(in) gesellschaftlich untergeordnet ist.
Der Verlauf eines jeden Tages sieht wie folgt aus: Sobald die Grenze übertreten ist, beginnt der Staat allmählich zu erwachen. Jede(r) begibt sich zum Arbeitsplatz und versucht, sich im Laufe des Tages bzw. der Woche Umsatz zu erwirtschaften. Falls bestehender Arbeitslosigkeit, ist das Arbeitsamt zu informieren. Wie viel man arbeitet und wie oft man die Beine hochlegen darf, hängt ganz von den Arbeitgeberinnen/Arbeitgebern ab, jedoch liegt bei uns das Arbeitsmaximum pro Tag bei 6 Stunden. Auch der Mindestlohn wird im Voraus festgelegt, kann jedoch im Laufe des Projekts variieren, bei uns betrug er zunächst 7 Gusi, welcher dann auf 8 erhöht wurde.
Wenn Besucher Interesse am Staat zeigen und sich diesen genauer ansehen wollen, können jene sich durch ein kostenpflichtiges Visum Zutritt verschaffen.

Verfasserinnen: Lilly Brieden und Shiva Dittmar

 

Links zur Berichterstattung über Los Unterriedos:

  • www.losunterriedos.de (unsere beeindruckende Los-Unterriedos-Homepage, erstellt und betreut von André Ngo. Herzlichen Dank dafür!)
  • Bericht über die Eröffnungfeierlichkeiten in der SZBZ: https://www.bbheute.de/nachrichten/fuer-3-tage-haben-schueler-das-sagen-19-7-2018/
  • YouTube-Channel von Los Unterriedos mit Berichten von GUS FM und VALU, u.a. mit Stimmen unserer Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, Landtagsmitglied Thekla Walker (B90/die Grünen), Bundestagsmitglied Florian Toncar (FDP) und Schulleiterin Martina Fuchs: https://www.youtube.com/channel/UCXicN900SrN2TGW8ntZoj1A
  • Presseberichte über das Gymnasium Unterrieden finden Sie übrigens immer unter dem entsprechenden Reiter auf unserer Homepage: http://www.gymnasium-unterrieden.de/index.php/presse/presseartikel

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