Schauspielerische Glanzmomente – "Der gestiefelte Kater" auf der Bühne des Unterrieden

Großes Theater bot die Mittelstufen-Theater-AG am 13. Und 14. Juli in der Aula am Gymnasium Unterrieden. Die elf schauspielernden Schülerinnen und Schüler spielten den „gestiefelte Kater“, inspiriert von Ludwig Tiecks gleichnamigem Stück, aber neu inszeniert und in einen modernen Rahmen versetzt von AG-Leiterin Sanja Meschner. In dem sehr unterhaltsamen Stück bekamen die Besucher viele schauspielerische Glanzmomente zu sehen, allen voran eine überragende Lotta Stefani in der Hauptrolle.

„Der gestiefelte Kater“ ist ein Märchen, das seinen Ursprung im 17. Jahrhundert hat. Es wurde erstmals von Charles Perrault im Jahr 1697 in seinen Märchensammlungen veröffentlicht. Das Märchen erzählt die Geschichte eines klugen Katers, der seinem besitzlosen Herrn zu Ruhm und Reichtum verhilft. Mit List und Tücke setzt der gestiefelte Kater alles daran, seinen Herrn zum Schloss und zur Hand der Prinzessin zu führen. Dabei verwickelt er den bösen Zauberer, der das Königreich bedroht, in ein Netz aus Lügen und Intrigen.

Ludwig Tieck, einer der bedeutendsten deutschen Romantiker, adaptierte das Märchen für die Bühne. In seinem gleichnamigen Stück von 1797 greift Tieck die Motive des Originalmärchens auf und verleiht ihnen seine ganz eigene Note. Durch seine Sprachgewandtheit und seine künstlerische Freiheit schuf Tieck ein Werk, das das Publikum in eine Welt voller Zauber und Poesie entführt. Dabei lässt er die Charaktere des Märchens lebendig werden, lässt das Publikum selbst zu Wort kommen und verwebt geschickt dramatische und humorvolle Elemente.

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Viele der tradierten Elemente sind auch in der Unterrieden-Inszenierung erhalten. Der listige Kater Hinze weiß in allen Situationen Rat und versucht seinem Besitzer Gottlieb zu Reichtum und zur Liebe zu verhelfen. Wenn dies doch nur so leicht zu bewerkstelligen wäre…

Anstelle des klassischen Königs, der im Märchen seine Tochter verheiratet wissen will, überrascht die Neuinszenierung mit einer schlagfertigen, wenngleich etwas versnobten Frau König, die ihre moderne, feministische Tochter Rosine ohne Erfolg zu verkuppeln versucht. Den großen Zauberer, der im Original sowie in der neuen Inszenierung der List des gestiefelten Katers zum Opfer fällt, spielen drei Schauspieler und Schauspielerinnen gleichzeitig (Kerstin Sprenger, Valentino Dodero Lickay & Hannah Grunau), wobei chorisches Sprechen und eine kreative Umsetzung seiner Zauberkunst für besonders spannende Momente sorgen. Ungewöhnlicherweise und in Anlehnung an Tiecks Version des Märchenstoffes wird das Publikum nicht nur gelegentlich von den Figuren auf der Bühne angesprochen, sondern hat eine eigene feste Rolle im Stück. Mit viel Witz und Charme spielen Emma Noll und Eymen Yelek ihre Rollen als Zuschauer des Theaterstücks von ihren Plätzen inmitten der tatsächlichen Theaterbesucher und greifen immer wieder in das Geschehen auf der Bühne ein, geben den Figuren Tipps oder äußern ihre Meinung zum Gesehenen.

Die Aufführungen der Mittelstufen-Theater-AG waren rundum gelungen. Die Zuschauer bekamen eine Mischung aus komödiantischen und tragischen Szenen geboten, die das Publikum unterhielten, berührten und bissweilen auch erschaudern ließen. Die Schülerinnen und Schüler stellten ihr schauspielerisches Talent unter Beweis, das für die kommenden Jahre noch weitere, spannende Theateraufführungen erwarten lässt. Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus für die Darbietung und ließ den Abend bei einem kurzen Beisammensein und einem Eis ausklingen.

Text: Christian Maier & Sanja Meschner
Plakat : Sanja Meschner
Fotos: Christian Maier