Couchgespräch mit Zeitzeugin Fr. Michel

Die sechste Episode unserer Veranstaltungsreihe "Couchgespräch" war eine besondere und tief berührende Begegnung. Es war eine große Ehre, dass wir die Shoah-Überlebende Frau Michel als Gast begrüßen durften. Die Veranstaltung wurde von unserer Schulleiterin, Frau Fuchs, eröffnet, die in ihrer Rede mit dem eindringlichen Motto "Nie wieder!" die Bedeutung des Erinnerns und Mahnens unterstrich. 

Gemäß der Tradition unserer Reihe begann das Gespräch mit der Frage nach der Einlaufmusik. Frau Michel wählte "Für mich soll’s rote Rosen regnen" – ein Lied von Hildegard Knef, das ihr bereits beim ersten Hören sofort gefiel. Nach dieser kurzen Einstimmung begann sie ihren beeindruckenden Vortrag, der das Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann zog.

Seit vielen Jahren hält Frau Michel Vorträge, um den brutal ermordeten Juden von Mykulychyn eine Stimme zu geben. Als einzige Überlebende der letzten Razzia der Nationalsozialisten in ihrem Heimatort sieht sie es als ihre Aufgabe, vor den Folgen von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Ausgrenzung zu warnen. Sie begann ihren Vortrag mit ihrer Kindheit und dem Umzug von Königsberg nach Mykulychyn (damals Polen, heute Ukraine) zu ihrer jüdischen Großmutter nach der sogenannten "Machtergreifung" Hitlers. Ihr Vater, ein Jude, verließ die Familie in der Hoffnung, diese so vor Verfolgung zu bewahren. Doch die Nationalsozialisten holten ihn von seiner Arbeit im Sägewerk und ermordeten ihn. Als einzige Überlebende der Familie blieben Frau Michel, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester durch einen Zufall am Leben. Ihr bewegendes Leben zeugt von einem unerschütterlichen Lebenswillen und der tiefen Überzeugung, dass mit Entschlossenheit vieles zu bewältigen sei.

Während ihres rund 35-minütigen Vortrags herrschte in der Mensa absolute Stille – ein Ausdruck der tiefen Ergriffenheit aller Anwesenden. Im Anschluss führten Sienna und Maddalena die moderierte Fragerunde mit eigenen und aus dem Publikum eingereichten Fragen. Frau Michel gab den Schülerinnen und Schülern eine eindringliche Botschaft mit auf den Weg: „Was ich nicht möchte, dass mir geschieht, sollte auch keinem anderen geschehen – dafür muss man kämpfen.“

Zum Abschluss der Veranstaltung setzte Frau Michel ein bleibendes Zeichen des Lebens und der Hoffnung: Sie pflanzte einen Birnen-Quitten-Baum mit den Worten „Wachst und gedeiht.“

Der gesamte Vortrag ist auf unserem neuen YouTube-Kanal abrufbar:

Frau Michel   Fragerunde

Text: Hr. Korkmazer

Bilder: Hr. Mohr, Hr. Korkmazer